Was EU Inc. für die europaweite Expansion von Unternehmen bedeutet
Seien wir ehrlich: Politische Vorhaben lösen selten Begeisterung aus. Doch EU Inc. – die Vision der Europäischen Kommission für einen einheitlichen europäischen Rechtsrahmen für Unternehmen (28. Regime) – könnte tatsächlich ein echter Wendepunkt sein.
Bei Pleo beschäftigen wir uns intensiv damit, administrative Hürden abzubauen, damit Teams sich auf das Wesentliche konzentrieren können. EU Inc. verkörpert genau diese Philosophie für ehrgeizige und innovative Unternehmen.
Aber was genau bedeutet die Initiative, warum ist sie für Gründer:innen interessant und wie könnte sie den Wachstumspfad europäischer Unternehmen verändern? Werfen wir einen genaueren Blick darauf.
Die versteckte Steuer auf Ambitionen in Europa
Auf dem Papier ist Europa ein einheitlicher Markt. Die Praxis sieht allerdings ganz anders aus.
Unser CEO und Mitbegründer, Jeppe Rindom, hebt hervor:
„Mit einem Unternehmen in Europa zu expandieren, fühlt sich heute weniger nach Skalierung an, sondern eher nach einem Neustart. Das verschlingt Zeit, Kapital und Dynamik – gerade in einer Phase, in der Unternehmen Tempo aufnehmen müssten.“
Für Gründer:innen bedeutet die Expansion über ihren Heimatmarkt hinaus oft, sich mit einer Reihe von neuen Unternehmensgesetzen, Arbeitsvorschriften und Compliance-Anforderungen auseinanderzusetzen, bevor sie überhaupt an die Einstellung von Personal oder Kundengewinnung denken können.
Jeppes Einschätzung nach wirkt der europäische Flickenteppich an Regeln wie eine verdeckte Steuer auf unternehmerische Ambitionen.
„Gründer:innen mangelt es weder an Ideen noch an Tatkraft, aber sie sind gezwungen, Energie von der Produktentwicklung und der Kundenbetreuung abzuziehen und in juristische Arbeit zu investieren, die kaum Wettbewerbsvorteile bringt.“
Was genau ist EU Inc.?
Stellen wir uns ein Europa vor, in dem:
- ein Unternehmen einmalig gegründet und in allen EU-Mitgliedstaaten anerkannt werden kann – ohne dass für jeden neuen Markt eine neue Rechtsform berücksichtigt werden muss.
- ein Unternehmen vollständig digital und innerhalb von nur 48 Stunden angemeldet werden kann.
- die Regelungen für Investitionsdokumente und Aktienoptionen standardisiert sind, wodurch es einfacher wird, Kapital zu beschaffen und Teams unabhängig von ihrem Standort zu vergüten.
- Unternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich oder in der Schweiz, die über eine EU Inc.-Niederlassung verfügen, einen einzigen unkomplizierten Zugang zum gesamten Binnenmarkt hätten, statt einen Flickenteppich aus verschiedenen nationalen Tochtergesellschaften zu verwalten.
EU Inc. würde neben den geltenden nationalen Rechtsrahmen bestehen und Gründer:innen die Wahl lassen, unter nationalem Recht zu operieren oder sich für das EU Inc.-Regime zu entscheiden.
Ein Rahmenwerk, von dem alle profitieren
EU Inc. ist keine Lösung für alle – ihr Nutzen hängt stark davon ab, in welcher Entwicklungsphase sich ein Unternehmen befindet.
Für Start-ups geht es um Geschwindigkeit. Schnellere und stärker digitalisierte Gründungsprozesse sowie vereinfachte Beteiligungsstrukturen ermöglichen es Gründer:innen, sich auf den Unternehmensaufbau und die Finanzierung zu konzentrieren – statt auf Papierarbeit.
Für KMU geht es um Zuversicht. Ein einheitlicher Unternehmensrahmen könnte die grenzüberschreitende Expansion zu einem natürlichen nächsten Schritt machen.
Für etablierte Unternehmengeht es um Klarheit im großen Maßstab. Die Tätigkeit in mehreren Ländern bringt häufig komplexe Organisations- und Governance-Strukturen mit sich. Für große Rechtsabteilungen könnte EU Inc. die dringend benötigte Einheitlichkeit bei der grenzüberschreitenden Unternehmensstrukturierung und Anreizgestaltung bringen.
Genau hier sieht Jeppe den eigentlichen Wandel:
„Wenn Komplexität beim Wachsen wegfällt, können Unternehmen ihre Ziele in jeder Entwicklungsphase konsequent weiterverfolgen.“
Mehr als Bürokratieabbau
Man könnte leicht zu dem Schluss kommen, EU Inc. sei lediglich eine Entlastung beim Papierkram. Doch das ist zu kurz gegriffen. Das zentrale Versprechen ist ein grundlegender Wandel der Mentalität.
Seit Jahrzehnten weisen europäische Gründer:innen darauf hin, dass unterschiedliche nationale Regelungen ihr Wachstum bremsen. Mit dem Vorschlag des sogenannten „28. Regimes“ – eines optionalen einheitlichen EU-Rechtsrahmens für Unternehmen – sendet die Europäische Kommission nun ein klares Signal: Ihre Zeit ist besser im Product-Market-Fit investiert als im Navigieren durch 27 unterschiedliche rechtliche Labyrinthe.
So wird Ehrgeiz nicht länger ausgebremst. Diese Entscheidung zeigt einen klaren Wandel hin zu einem Europa, das als geschlossene Wirtschaftskraft auftritt und es wachstumsstarken Unternehmen ermöglicht, genauso einfach und schnell zu skalieren wie vergleichbare Unternehmen in den USA.
Was das für europäische Unternehmen bedeutet
Wenn das Projekt EU Inc. umgesetzt wird, müssen Start-ups nicht mehr in der Kategorie „Heimatmarkt“ denken. Die gesamte EU mit rund 450 Millionen Menschen wäre ihr Sprungbrett. Das wirtschaftliche Argument für diese Neuerung wird durch mehrere wichtige Trends untermauert:
- Scale-up-Lücke: Europa kann sich bei der Gründung von Start-ups durchaus behaupten. Doch beim Skalieren hinken wir hinterher – mit 80 % weniger Scale-ups und 85 % weniger Einhörnern als in den USA. Diese Wachstumsbremse ist vor allem auf die Hürden bei der Geschäftstätigkeit in 27 unterschiedlichen Rechtssystemen zurückzuführen.
- Verlagerung von Unternehmenssitzen: Zwischen 2008 und 2021 haben fast 30 % der europäischen Einhörner ihre Zentrale außerhalb der EU angesiedelt – meist in den USA –, um von einem einheitlicheren Rechtsrahmen und besseren Finanzierungsmöglichkeiten zu profitieren.
- Langsamer Kapitalfluss: Risikokapitalinvestitionen in EU-Unternehmen liegen derzeit sechs- bis achtmal unter dem Niveau der USA. Ein einheitliches „28. Regime“ würde europäische Unternehmen für globale Investor:innen attraktiver machen. Viele schrecken derzeit vor den Due-Diligence-Kosten zurück, die durch 27 unterschiedliche Insolvenz- und Aktionärsgesetze entstehen.
- Die Kosten für grenzüberschreitende Aktivitäten: Eine Expansion in Europa ist derzeit mit sehr hohen Kosten verbunden. Allein im ersten Jahr fallen Compliance- und Rechtskosten von bis zu 1,2 Mio. EUR an. Mit EU Inc. wäre stattdessen eine einmalige, vollständig digitale Gründung möglich, die in der gesamten Union anerkannt wird.
Kurz gesagt: EU Inc. wäre ein Gamechanger. Die Umsetzung würde bedeuten, dass „europäisch“ kein logistisches Hindernis mehr darstellt, sondern einen Wettbewerbsvorteil. Oder, wie Jeppe es ausdrückt:
„Deshalb ist EU Inc. ein grünes Licht für Innovation. Europa kann damit sein Image übermäßiger Komplexität und langsamer Umsetzung abschütteln. Wenn Europa als einheitlicher Markt funktioniert, folgt die Skalierung automatisch.“
Wie Pleo Unternehmen unterstützt, neues Wachstumspotenzial zu nutzen
Bei Pleo sind wir seit jeher überzeugt, dass unnötige Komplexität Dynamik bremst. Wir sprechen hier über EU Inc., weil die Zielsetzung der Initiative mit unserer eigenen übereinstimmt: administrative Hürden, die Teams ausbremsen, zu beseitigen.
Für unsere Kundinnen und Kunden bedeutet ein einheitlicheres Europa eine raschere Expansion mit weniger finanziellem Chaos. Während EU Inc. die rechtlichen Hürden beseitigt, kümmert sich Pleo um die operativen Herausforderungen – mit einer Plattform, die speziell auf wachsende europäische Unternehmen zugeschnitten ist.
Unsere All-in-one-Plattform gibt Finanzteams die Echtzeit-Transparenz und Kontrolle, die sie benötigen, um über mehrere Regionen hinweg zuverlässig Budgets zu planen und Ausgaben zu prognostizieren. Dabei stellen wir sicher, dass Ihre Finanzkontrolle absolut zuverlässig bleibt, auch wenn sich Ihre rechtlichen Rahmenbedingungen vereinfachen.
Wir sehen das vorgeschlagene „28. Regime“ als entscheidenden Baustein für ein modernes europäisches Unternehmensumfeld. Jeppe merkt an:
„Jetzt ist der Moment, um die Weichen neu zu stellen. Wenn wir den eingeschlagenen Kurs halten, kann Europa innovationsfreundlicher und wachstumsstärker werden.“
Die nächsten Schritte
Der Gesetzgebungsprozess steht noch am Anfang. Ein formeller Gesetzesvorschlag für EU Inc. wird bis Ende März 2026 erwartet. Der eigentliche Härtetest werden die Einzelheiten sein, nämlich, wie gut sich das Konzept mit den nationalen Steuersystemen, Arbeitsgesetzen und sozialen Sicherungssystemen vereinen lässt.
Der Rückenwind, der sich im Laufe des Jahres 2025 und Anfang 2026 aufgebaut hat, spricht dafür, dass es sich hier um einen ernsthaften Versuch handelt, eines der hartnäckigsten Innovationshemmnisse Europas zu beseitigen. Mit dem Schritt hin zu einem digital orientierten, einheitlichen Rahmenwerk passt die EU ihre Politik endlich an die Geschwindigkeit der modernen Wirtschaft an.
Wir werden die Entwicklung aufmerksam verfolgen. Gleichzeitig stellen wir sicher, dass Pleo die Lösung bleibt, mit der Sie Ihre Finanzen mühelos steuern und Wachstum ermöglichen – auch wenn sich der europäische Markt vereinfacht.
Sie möchten zu EU Inc. und den Auswirkungen auf Ihr Unternehmen auf dem Laufenden bleiben? Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.