Auf dem Weg zu einem harmonisierten Regelwerk für EU-Unternehmen – die neuesten Entwicklungen rund um EU Inc.
Bei Pleo verfolgen wir die Entwicklung von EU Inc. aufmerksam. Mit diesem Vorhaben soll ein einheitlicher europäischer Rechtsrahmen für Unternehmen geschaffen werden. Zuletzt ist einiges in Bewegung geraten. Wir bringen Sie auf den neuesten Stand.
Die Europäische Kommission hat vor Kurzem ihren Vorschlag für EU Inc. vorgelegt und damit konkretisiert, wie das Rahmenwerk Unternehmen künftig Gründung, Betrieb und Wachstum innerhalb der gesamten EU erleichtern soll. Zudem hat die Kommission das Europäische Parlament und den Rat aufgefordert, bis Ende 2026 eine Einigung über den Vorschlag zu erzielen – ein vielversprechendes Signal.
Wir haben bereits beleuchtet, was EU Inc. für die europaweite Expansion von Unternehmen bedeutet. Dieser optionale Rechtsrahmen („28. Regime“) würde Unternehmen neben den geltenden nationalen Regelwerken zur Verfügung stehen. Ziel ist es, grenzüberschreitendes Wachstum zu erleichtern. Dazu soll es möglich sein, ein Unternehmen in ganz Europa vollständig digital und innerhalb von nur 48 Stunden zu gründen.
Für Pleo-CEO und -Mitgründer Jeppe Rindom ist dieser Schritt längst überfällig. Doch was bedeuten die jüngsten Entwicklungen konkret für Gründer:innen und Unternehmen? Werfen wir einen genaueren Blick darauf.
Einheitlicher Binnenmarkt oder Flickenteppich?
Auf dem Papier ist Europa ein einheitlicher Markt. In der Praxis stoßen Unternehmen jedoch auf Fragmentierung und bürokratische Hürden, wie Jeppe beschreibt:
„Unternehmen müssen bei jeder Expansion in ein neues Land ganz von vorne anfangen: Notartermine, Handelsregistereintragung, lokale Geschäftsführung. Das kostet jedes Mal Zeit und Geld.
Als dänisches Unternehmen hat Pleo das selbst erlebt. Für die Expansion in die Niederlande mussten wir eine eigenständige juristische Person gründen. Insgesamt waren fünf Monate strukturelle Vorarbeit notwendig, obwohl unser Geschäftsmodell völlig unverändert blieb.“
Pleo ist damit nicht allein. Jedes Unternehmen, das in neue europäische Märkte expandieren möchte, kennt diese Frustrationspunkte nur zu gut.
Jeppe ergänzt:
„Pleo ist europaweit tätig. In jedem Land, in dem wir Kund:innen haben, brauchen wir eine eigene Struktur und lokale Rechtspartner. Das ist ein komplexer und kostspieliger Prozess, der enorm viel Aufmerksamkeit erfordert.“
Auch der Draghi-Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit der EU thematisiert das Problem der Fragmentierung und fordert konkrete Maßnahmen, um Europas Innovationslücke zu schließen. Eine der vorgeschlagenen Lösungen: ein einheitliches Regelwerk für Unternehmen, um ihnen die Expansion in Europa zu erleichtern. Genau das ist der Kern von EU Inc.
Jeppe sieht das eindeutig als positives Signal, wie er kürzlich Tech.eu gegenüber betonte:
„Der Vorschlag fußt auf einer wachsenden Erkenntnis: Europa hinkt bei Innovationen hinterher, und die einzelnen europäischen Länder sind auf globalem Parkett schlicht zu klein. Die geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Zeit haben die Dringlichkeit noch einmal verschärft – Europa muss unabhängiger und widerstandsfähiger werden.
Für Unternehmen ist die Expansion in Europa kostspielig und aufwendig, denn sie erfordert unterschiedliche Partner, Strukturen und Prozesse in jedem einzelnen Markt. Zudem kann vieles davon noch nicht digital abgewickelt werden.“
Was EU Inc. verändern könnte
Mit einem einheitlichen europäischen Rahmen würden Unternehmen vor allem Zeit und Geld sparen, die derzeit in den bürokratischen Aufbau neuer Tochtergesellschaften fließen. Konkret soll EU Inc. folgende Verbesserungen bringen:
- Schnellere Registrierung
- Vereinfachte Verfahren
- Vollständig digitaler Betrieb
- Unterstützung von Gründer:innen bei einem schnelleren und kostengünstigeren Neustart
- Bessere Rahmenbedingungen, um Investitionen anzuziehen
- Bessere Möglichkeiten, um Talente anzuziehen
- Voller Zugang zum Binnenmarkt
- Starke Schutzvorkehrungen gegen Missbrauch
- Flexibilität von Anteilen
Jeppe erklärt, was diese Verbesserungen für Gründer:innen bedeuten würden:
„Für Unternehmen wie Pleo hätte EU Inc. eine schnellere Expansion zu geringeren Kosten ermöglicht. Zudem hätten wir ohne die zahlreichen Hindernisse für grenzüberschreitendes Wachstum ambitioniertere Ziele verfolgen können. Wir hätten schneller skalieren und uns von Anfang an stärker gegenüber Wettbewerbern aus den USA positionieren können, ohne durch Bürokratie ausgebremst zu werden.“
Was EU Inc. letztlich bewirkt, hängt von den Details ab – und die sind noch nicht abschließend geklärt. Jeppe dazu:
„Der Teufel steckt im Detail, und hier fehlt es derzeit noch an Tiefe. Aber grundsätzlich soll EU Inc. es Gründer:innen ermöglichen, sich als europäisches Unternehmen zu verstehen, dem der gesamte EU-Binnenmarkt offensteht.“
Ersten Anzeichen zufolge wird die EU-Kommission EU Inc. in Form einer Verordnung regeln. Es bleibt abzuwarten, wie die digitale Schnittstelle gestaltet werden soll und wie die einzelnen Länder das Regelwerk auslegen.
Mentalitätswandel: Von national zu europäisch
Jeppe zufolge könnte EU Inc. nicht nur die strukturellen Rahmenbedingungen für Unternehmenswachstum in Europa verändern, sondern auch die Denkweise:
„Ich glaube, wir hätten uns von Anfang an mehr als europäisches Unternehmen verstanden und weniger als dänisches. Und das ist ein wichtiger Mentalitätswandel.“
Darüber hinaus sieht Jeppe eine weitere tiefgreifende Auswirkung:
„Neben den direkten Expansionskosten gibt es weniger greifbare Kosten, die dadurch entstehen, dass unternehmerische Ambitionen eingeschränkt werden. Denn bisher mussten wir Wachstumsvorhaben Land für Land angehen. Mit EU Inc. können wir das volle Potenzial der gesamten EU nutzen.“
Wie geht es weiter?
Der Rückhalt für EU Inc. ist beachtlich: Über 22.000 Unterzeichner:innen aus ganz Europa stehen hinter dem Vorhaben. Und die jüngsten Signale der Europäischen Kommission lassen hoffen, dass bis Ende 2026 eine Einigung erzielt wird.
Ob EU Inc. wirklich den Unterschied machen wird, den Europa braucht? Das hängt von den Details ab. Aber der Weg ist eingeschlagen, und Pleo wird die weiteren Schritte aufmerksam im Blick behalten.
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